Räder, Typen und Handwerkskunst

Foto: Coverfoto von Delius Klasing Verlag.
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Bibliografie:
Gerard Brown/Graeme Fife: „Passion Rennrad: Marken, Macher und Maschinen“, 2. Aufl., 224 Seiten, 410 Farbfotos, Format 29x29cm, gebunden mit Schutzumschlag, Euro 39,90 (D), Delius Klasing Verlag: Bielefeld, 2016. ISBN: 978-3-667-10724-4.

(Gerard Brown, Graeme Fife: „Passion Rennrad: Marken, Macher und Maschinen“, Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2016.)

„Marken, Macher und Maschinen“, so lautet der Untertitel des Buches „Passion Rennrad“, dass der Velofotograf Gerard Brown und der Radsportreporter Graeme Fife zum Thema Rennrad herausgebracht haben. Vielleicht könnte man dem Untertitel des 224 Seiten starken und mit über 400 Farbfotos reich bebilderten Bandes aber noch das Prädikat „Typen“ hinzufügen, denn unter den Machern der vorgestellten 30 Marken gibt es jede Menge davon. Was sie charakterisiert, ist nicht kalte Perfektion, sondern Liebe und Hingabe zum Produkt. Was ihre Arbeit ausmacht, ist Wissen und Augenmaß. Das sieht man ihren Rädern an, in denen viel Herzblut und Detailkenntnis steckt. Beispielsweise lässt der Rahmenbauer Jason Rourke seine Kunden noch einmal aufs Rad steigen, bevor er diesem den letzten Schliff gibt: „Messvorrichtungen? Man kann Knochen nicht messen“, so Rourke. Bei Rahmenbauern wie ihm, Ira Ryan, Tony Pereira, Ben Serotta, Eric Estlund oder dem puristischen Richard Sachs, spielen Materialkenntnis, Handwerkskunst und jahrelange Erfahrung eine zentrale Rolle.

Ein Denkmal setzen die Autoren aber nicht nur diesen bekannten Rahmenbauern, sondern auch legendären Fahrradteileherstellern wie den Sattelexperten Brooks und Selle Italia, den Stahlschmieden Reynolds und Columbus oder auch den Laufrad- und Mantelspezialisten Mavic und Continental und einigen anderen mehr. Der Leser erfährt viel über die Produktion der jeweiligen Teile. Beispielsweise wie ein Ledersattel von Brooks seine Form erhält oder nach welchen „vier Bestimmungsgrößen“ ein Selle Italia-Sattel angefertigt wird (u.a. nach dem Oberschenkelumfang). Ob handgefertigt oder maschinell erstellt, auch bei diesen Marken wird die Handwerkskunst bis heute hochgehalten. Das merkt man allen Protagonisten an, seien es nun die Firmengründer und Chefs selbst oder ihre Entwickler und Arbeiter. Die Atmosphäre in den Werkstätten und Produktionshallen kommt in den tollen Bildern „rüber“. In „Passion Rennrad“ werden nicht nur kunstvolle Rennmaschinen gezeigt, sondern auch die „Macher“, die ihren Beruf mit Leidenschaft ausüben. Menschen, bei denen es sich um „echte Handwerker“ handelt, wie Modedesigner Paul Smith im Vorwort zum Buch schreibt. Deshalb kann ich das schön fotografierte und spannend recherchierte Buch „Passion Rennrad“ von Gerard Brown und Graeme Fife für den Start in die neue Radsaison 2018 empfehlen. Es ist ein Buch über die Identifikation mit dem Fahrrad und dem Radsport, über die Leidenschaft für die Arbeit daran und über die Schönheit eines Produktes, das 200 Jahre nach seiner Erfindung nicht umsonst wieder ganz stark im Kommen ist.


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